Was ist eine AKU?

Die Ankaufsuntersuchung ist eine tierärztliche Begutachtung des Pferdes zum Zeitpunkt des Kaufs. Sie dokumentiert den aktuellen Gesundheitszustand und ist die Grundlage für die rechtliche Beurteilung später eventuell auftretender Krankheiten.

Wichtig: Die AKU ist kein TÜV. Sie ist eine Momentaufnahme. Ein Pferd mit „AKU ohne Befund" kann zwei Wochen später lahmen – das ist kein Mangel.

Umfang der AKU

Es gibt grob zwei Arten:

Kleine AKU (klinische AKU)

  • Allgemeinuntersuchung (Herz, Lunge, Augen, Zähne)
  • Bewegungsablauf an Hand und Longe
  • Beugeproben aller vier Beine
  • Hufuntersuchung
  • Dauer: 1–2 Stunden · Kosten: 250–450 €

Große AKU (klinisch + Röntgen)

  • Alles aus der kleinen AKU
  • 12–18 Röntgenaufnahmen (Hufe, Sprunggelenke, Knie, Fesselgelenke, Halswirbel optional)
  • Blutuntersuchung (Doping/Medikamente) optional
  • Endoskopie (bei Sportpferden) optional
  • Ultraschall der Sehnen optional
  • Dauer: 2–4 Stunden · Kosten: 600–1.500 €

Was aus den AKU-Klassen geworden ist

Über „Klasse 1 bis 4" wird im Stall bis heute gesprochen, im Befundbericht steht sie aber nicht mehr. Der Röntgenleitfaden 2018 hat die Röntgenklassen abgeschafft. Sie waren eine schulnotenartige Einteilung, die eine Vergleichbarkeit suggerierte, die es so nicht gibt: Dieselbe Veränderung kann bei einem zwölfjährigen Freizeitpferd bedeutungslos und bei einem vierjährigen Nachwuchspferd relevant sein.

Wenn dir jemand eine Klasse nennt

Dann stammt die Angabe entweder aus einem älteren Bericht oder aus der Gewohnheit. Frag nach dem Befundbericht selbst und danach, ob eine Abweichung als Risikobefund gekennzeichnet ist.

Wie Röntgenbefunde heute bewertet werden

Seit dem Leitfaden 2018 beschreibt der Tierarzt, was er sieht, statt eine Note zu vergeben. Aufnahmen ohne Auffälligkeit werden als ohne besonderen Befund geführt, abgekürzt o. b. B. Abweichungen, die nach fachlicher Einschätzung ein erhöhtes Risiko für spätere klinische Erscheinungen bedeuten, werden als Risikobefund gekennzeichnet.

Zwei weitere Änderungen sind für Käufer wichtig: Die Standarduntersuchung umfasst 18 Aufnahmen, und die klinische Untersuchung wiegt schwerer als zuvor. Ein Pferd soll nicht mehr allein wegen eines Röntgenbefunds durchfallen, wenn die tierärztliche Gesamtbeurteilung dagegen spricht.

Ausführlich erklärt das der Beitrag Röntgenbefund beim Pferdekauf.

Was kostet eine AKU 2026?

TypKosten
Klinische AKU klein250–450 €
AKU mit 6 Standardröntgen450–700 €
AKU mit 12 Röntgen700–1.100 €
AKU mit 18 Röntgen (Sportpferd)1.100–1.500 €
Endoskopie (zusätzlich)120–200 €
Blutuntersuchung80–200 €

Zahlen tut in der Regel der Käufer. Diese AKU wird beim ausgesuchten Tierarzt des Käufers durchgeführt – auch wenn der Verkäufer einen anderen vorschlägt.

AKU-Kosten im Ländervergleich (DACH + Nachbarn)

LandKleine AKUGroße AKU (mit Röntgen)Besonderheit
Deutschland250–450 €600–1.500 €Röntgenleitfaden 2018, GOT-Gebührenordnung
Österreich250–500 €700–1.600 €Ähnlicher Standard wie DE, oft 10–15 % teurer
Schweiz400–700 CHF1.200–2.500 CHFDeutlich höheres Preisniveau, Kliniken bevorzugt
Niederlande200–400 €500–1.200 €„Keuring" – sehr routiniert durch Exportmarkt
Italien/Spanien150–350 €400–1.000 €Günstiger; bei Iberern Befundbericht auf Englisch verlangen

Richtwerte 2026 für gängige Untersuchungsumfänge; Klinik-AKUs liegen am oberen Rand der Spannen.

Tipps für Verkäufer

  • Eigene Vorab-AKU? Lohnt sich bei Pferden über 15.000 €, um Vertrauen zu schaffen. Aber: Käufer machen meist trotzdem eine eigene.
  • Aktuelle Röntgenbilder vom Hausschmied/Hofttierarzt zeigen Transparenz.
  • Lass den Käufer den Tierarzt wählen – sonst Misstrauen vorprogrammiert.
  • Sei offen mit Vorgeschichten – wird sowieso geröntgt, also nicht verschweigen.
  • Bei Auslandsverkauf: Internationale Käufer wollen oft eine AKU mit englischsprachigem Befundbericht.

Tipps für Käufer

  • Eigenen Tierarzt wählen – nicht den vom Verkäufer empfohlenen.
  • Beim Tierarzt anwesend sein – Befund direkt erklären lassen.
  • Befund schriftlich verlangen – inklusive aller Röntgenbilder digital.
  • Zweitmeinung einholen bei Befunden ab Klasse 3.
  • Verwendungszweck mitteilen – ein Freizeitpferd darf Befunde haben, die bei einem M-Springpferd Show-Stopper wären.

Häufige Fragen zur AKU

Was kostet eine AKU beim Pferd?

Kleine AKU klinisch: 250–450 €. Große AKU mit Röntgen: 600–1.500 € je nach Aufnahmen-Anzahl.

Wer bezahlt die AKU?

Üblicherweise der Käufer. Manche Verkäufer machen vorab eine eigene AKU zur Vorlage – die wird aber rechtlich nicht als Käufer-AKU anerkannt.

Was bedeuten die AKU-Klassen 1 bis 4?

Diese Klassen gibt es nicht mehr. Der Röntgenleitfaden 2018 hat sie abgeschafft. Befunde werden seither beschrieben und gegebenenfalls als Risikobefund gekennzeichnet, unauffällige Aufnahmen als „ohne besonderen Befund".

Wie lange ist eine AKU gültig?

Rechtlich beschreibt die AKU den Zustand zum Untersuchungstag. Praktisch akzeptieren Käufer eine AKU 2–4 Wochen lang – danach wird oft nachuntersucht.

Kann man ein Pferd ohne AKU kaufen?

Ja, rechtlich möglich – bei günstigen Pferden unter 3.000 € auch üblich. Über 5.000 € empfehlen wir dringend eine AKU.

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